In meiner aktuellen Serie steht das Thema Verbundenheit im Fokus.

Die dargestellten Menschenknäule fungieren als Verdichtungen zwischenmenschlicher Beziehungen. Die verschlungenen Körper stehen sinnbildlich für die menschlichen Verflechtungen des Lebens, in denen wir uns befinden, ihre Verbindungen untereinander, ihre Schicksale, verschlungenen Wege und Abhängigkeiten.

Unsere Leben sind stets mit denen anderer Menschen verknüpft, sowohl positiv als auch negativ, sowohl in der Gegenwart als auch durch gemeinsame Vergangenheiten. Wege kreuzen sich und trennen sich wieder, jedoch niemals, ohne eine Spur zu hinterlassen, mag sie auch noch so klein sein. Die Lebenswege der Menschen scheinen wie Fäden, welche sich miteinander verweben, mal intensiver, mal weniger, an bestimmten Stellen unterstützen und halten sie einander, an anderen beschränken sie sich gegenseitig. In diesem verwobenen Geflecht wird die Komplexität menschlicher Beziehungen und Geschichten deutlich, die unser kollektives Dasein prägen.

Nathalie Schulz Kunsthistorikerin, Kuratorin  Anlässlich der Ausstellung EIN KREIS IST KEIN PUNKT. in der Werft77

“Aline Regese greift in ihren beeindruckenden Aquarellen auf Momente der Erinnerung zurück. Besonders der familiäre Kreis spielt dabei eine zentrale Rolle. In ihrer neuen Werkserie sehen wir überworfene, verschlungene Körper, die etwas Unbestimmtes in sich tragen. Was passiert hier? Handelt es sich um ein Ringen, das Aushandeln von Platz oder ein harmloses Spiel? Die Bindung von Körpern zueinander erscheint fesselnd und rätselhaft zugleich.

Regese stellt sich in den großformatigen Arbeiten der besonderes Herausforderung, dem Medium neue Wege zu entlocken, denn im Kunstbetrieb werden mit dieser Maltechnik typischerweise sehr kleine Formate verbunden. Damit setzt sie ihren Weg der künstlerischen Selbstbestimmung durch die Wahl ihrer Mittel fort. Immer wieder lotet sie den Grad zwischen dem Weiß des Papiers, mit dem sie eine besondere Beziehung verbindet, und den darauf bewusst gesetzten figurativen Darstellungen, aus. Bewusst zeigt sie die Arbeiten ohne Rahmung und macht die reiche Haptik, aber auch Verletzbarkeit des Werkes, spürbar.”

Das Leben ist ein andauernder Strom von Eindrücken. Wahrnehmung kommt selten zur Ruhe; der Blick springt, verweilt, löst sich wieder und richtet sich neu aus.

In meinen Bildern greife ich diese Bewegung auf und verdichte Wahrnehmung, ohne sie erzählerisch zu ordnen oder zu glätten.

In der Darstellung des Menschen zeigt sich, wie sehr Erfahrungen, Beziehungen und innere Zustände miteinander verwoben sind. Der Körper wird dabei zum Ort, an dem Nähe und Bindung spürbar werden, nicht als festgeschriebene Zustände, sondern als etwas, das sich fortwährend verändert.

Die Frage nach Verbundenheit bleibt offen. Sie entzieht sich eindeutigen Antworten und erscheint vielmehr als ein Spannungsraum, in dem sich Wunsch und Erfahrung immer wieder berühren und widersprechen.

Momente von Freude, Lebendigkeit oder Leichtigkeit tauchen in meinen Arbeiten nicht als Zielpunkte auf. Sie zeigen sich eher beiläufig, als fragile Qualitäten innerhalb dieser Beziehungen, die ebenso schnell kippen können, wie sie entstehen.

Das Aquarell, in dem meine Arbeiten vorwiegend entstehen, bietet mir einen formalen Rahmen, um diese Spannungen auszuhandeln. Seine Offenheit und Eigenwilligkeit prägen den Prozess ebenso wie das bewusste Setzen von Form und Farbe.